
Satt sein macht träge. "Solange aber der Mensch noch Wünsche hat, bleibt er lebendig und vergnügt." Das brachte die Kempinskis in den 20er Jahren auf eine Idee, die sich zu einem überragenden Erfolg entwickeln sollte: Man bot halbe Portionen zum halben Preis an. Der Andrang war immens.
Die Zeitungen schrieben: "Es ist, als ob es zwischen Olivaer- und Wittenbergplatz keine anderen Wirtshäuser mehr gäbe." Dabei ging es nicht nur um die kleinen Portionen: Endlich konnten die Berliner in ihrer Stadt, in der Buletten und Wurst die Speisekarten anführten, wählen zwischen Cantaloupe-Melone mit Krebsschwänzen oder kaltem Rheinlachs mit Salaten garniert auf Zarinnenart. Der Beiname "Volksküche für die bess're Welt" war geboren. Und viele halbe Portionen fallen eben auch ins Gewicht. So orderte der Küchenchef bis zu 25 Zentner Fleisch, acht Zentner Fisch, vier Zentner Hummer und mehrere hundert Stück Geflügel pro Tag.
Die Gäste, die einen Platz im Kempi ergatterten, konnten sich glücklich schätzen. Die anderen mussten sich solange vertrösten: "Wegen Überfüllung geschlossen" ...